Der Schamane der nächsten Kultur

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Der Schamane der nächsten Kultur
Februar 15, 2017 Clinton Callahan

Die moderne Kultur hat Berufe ausgegrenzt, die lebensnotwendig für jede Dorfkultur sind, darunter auch den Schamanen. Eine Kultur dient materialistischen und oberflächlichen Zielen, wenn die nichtlinearen Künste verbannt worden sind. Die nächste Kultur, das Archearchat, die Kultur, die nach dem Patriarchat und dem Matriarchat kommt, breitet sich unterhalb des Medien-Radars auf dem ganzen Planeten rasch aus. Da die nächste Kultur aus dem Kontext der radikalen Verantwortung hervorgeht und ihr Schwerpunkt fortlaufende authentische Initiationsprozesse ins Erwachsensein sind, unterscheidet sich die Funktion eines Schamanen der nächsten Kultur von der des traditionellen Schamanen. Der Unterschied ist, dass ein traditioneller Schamane die Arbeit für den Klienten macht. Der Schamane der nächsten Kultur ermächtigt die Klienten, die Arbeit an sich selbst vorzunehmen.

Die über Jahrtausende von Eingeborenen entwickelten Verfahren zur Initiation der Jugendlichen ins Erwachsensein brachten die Verschiebung der Montagepunkte einer Person mit sich.

Ich übernehme den Begriff Montagepunkt von Carlos Castaneda, der ihn von seinem Lehrer Don Juan Matus, dem Yaqui Indianer Schamanen-Zauberer, hörte. Don Juan erklärte, dass ein Montagepunkt ein Verbindungspunkt in der Größe eines Tennisballs ist, wo die Flusslinien der Gesamtenergie in Sinnesdaten umgewandelt werden, damit individuelle Wahrnehmung erfolgt.

Ich verwende den Begriff Montagepunkt für den Verbindungspunkt, durch den sich Alles-wofür-Verantwortung-übernommen-werden-kann an jenen Kontext koppelt, den eine Person zur Festlegung ihrer Selbsterfahrung benutzt.

Der Kontext, in den hinein ein Montagepunkt verankert wird, schreibt fest, welche Beziehung eine Person zu diesem Ding hat. Ob beispielsweise eine Person Verantwortung für ihre Aktionen während ihres Militärdienstes übernimmt, oder annimmt, sie sei frei von Verantwortung, weil sie den Willen einer anderen Person ausführt und nur Befehlen folgt, hängt davon ab, in welchem Kontext ihr Montagepunkt verankert ist

Während initiatorischer Prozesse werden die Montagepunkte einer Person verschoben. In indigenen Kulturen bewegen die Zauberer-Schamanen die Montagepunkte der Initiations-Aspiranten weg vom Kontext ihrer Mutter und verschweißen sie mit dem Kontext der Traditionen ihrer Kultur. Auf diese Weise weiß jeder Mann und jede Frau des Stammes ganz sicher, was er oder sie in welchem Stadium ihres Lebens tragen, tun, sagen, essen und vermeiden sollte. Sie kennen die Tabus und die Legenden, und demzufolge duplizieren sie die Dorfkultur und fahren fort, die Dinge so zu tun, wie sie immer getan wurden. Dem einen-wahren-und-richtigen-Weg zu folgen sichert das weitere Überleben des Stammes und seiner Kultur.

Diese indigene Initiationsstrategie funktioniert wunderbar, wenn Umweltbedingungen stabil sind und die Kultur eine strahlende Zukunft für ihr Volk erschafft. In den westlichen Kulturen des frühen 21. Jahrhunderts ist keiner dieser beiden Punkte gegeben. Du lebst unter Bedingungen, die sich schnell ändern (1985: Überschreitung der Tragfähigkeit der Erde, 2003: Überschreitung der kritischen Schwelle für Methan-Clathraten, 2005: Peak Oil, globale Unwetter, Versteppung, Ausdehnung von Totzonen im Meer, 2013: unumkehrbare Eisschmelze, die zu einem 7 Meter höheren Meeresspiegel führt, unkontrollierte Verwendung von Uranwaffen, welche die Erde für Zehntausende von Jahren kontaminiert, um nur einige zu nennen…), und das in einer Kultur, die von Psychopathen übernommen wurde, welche – wie nicht anders zu erwarten – keine strahlende Zukunft für die Menschheit im Sinn haben. Es ist eine völlig neue Form von Initiationsprozessen ins Erwachsensein vonnöten. Deshalb ist es eine willkommene Nachricht, dass eine völlig neue Form von Initiationsprozessen ins Erwachsensein durch Possibility Management zur Verfügung gestellt wird: radikal verantwortliche Denkweisen.

Die Initiationen von Possibility Management sind archearchalischer Natur, sie stammen nicht von den Vorfahren. Das heißt, die Initiationsprozesse im Possibility Management kommen aus dem Kernkontext der Kultur des Archearchats. Das Archearchat sind archetypisch initiierte erwachsene Frauen, die mit archetypisch initiierten erwachsenen Männern kreativ zusammenarbeiten. Statt dass das Feminine das Maskuline dominiert, wie im Matriarchat, oder das Maskuline das Feminine dominiert, wie im Patriarchat, vergrößern das initiierte erwachsene Feminine und Maskuline im Archearchat die innewohnenden Werte des Anderen zum Nutzen aller.

Der Kontext des Archearchats ist radikale Verantwortung. Possibility Management sind die Denkweisen, Werkzeuge und Prozesse, die entstehen, wenn radikale Verantwortung auf praktische Weise angewandt wird.

Was den Perspektivenwechsel betrifft – von der kindlichen Überlebensstrategie zur initiierten erwachsenen Lebensperspektive – so sind dafür beachtliche Initiationsprozesse erforderlich. Das moderne patriarchale Empire verbannte Initiationen vor 6000 Jahren. Das Archearchat bringt sie zurück und legt sie ins Zentrum der Kultur, wobei jeder andere Aspekt der Kultur die fortlaufenden Initiationsprozesse ins Erwachsensein umrahmt, welche gleichzeitig Entscheidungsfindung, Heilungs- bzw. Transformationsprozesse und Unterhaltung liefern.

Wie funktionieren archearchale Initiationen? Sie funktionieren mit einem winzigen Schritt nach dem anderen. Sie beginnen da, wo du bist. Sie führen dich durch die Tür, die vor dir ist. Selbst wenn du die Tür siehst, selbst wenn du die Tür verstehst, kannst du solange nicht durch die Tür gehen, bis du an der Tür bist. Initiationen der archearchalen Kultur werden zu einem lebenslangen Entwicklungsweg. Einerseits kannst du dich nicht selbst initiieren, du brauchst also fortlaufend die Zusammenarbeit mit anderen. Andererseits gibt es nach oben hin keine Begrenzung. Es gibt keine Possibility Management Gurus oder Meister. Du erhältst keinen Schwarzgurt oder Dan. Du erhältst keine Verdienstabzeichen oder Sterne, die du auf deiner Brust trägst. Abhängig von der Denkweise, die du aktuell benutzt und der Funktionalität deiner energetischen Matrix, die du bisher aufgebaut hast, ist die nächste Initiation für dich offensichtlich. Und nach einer Weile wird es auch offensichtlich, dass das Universum dein Potential nicht verschwendet. Es legt dir Aufgaben auf deinen Tisch. Sie mögen zu groß oder zu komplex aussehen, aber in den Augen des Universums kannst du diese Aufgabe bewältigen, sonst würde es dir diese Aufgabe nicht geben. Du kannst dem Vertrauen des Universums in dich vertrauen. Zeige Format. Die Aufgaben sind initiatorische Spielwelten für dich, in denen du weiter wachsen kannst.

Jede archearchale Initiation bewegt eine oder mehrere der von Don Juan erwähnten Durchflussfasern. Jede Durchflussfaser, die von Don Juan Matus erwähnt wurde, hängt mit einer spezifischen Qualität zusammen, für die es möglich ist, Verantwortung zu übernehmen. Du kannst zum Beispiel Verantwortung übernehmen für Aktionen, Unterlassungen, unvollendete Kommunikationen, Zeit, Möglichkeit, Glaubenssätze, Regeln, Verpflichtungen, Meinungen, Stimmen in deinem Kopf, Gefühle, Emotionen, Reaktionsknöpfe, Intention, Aufmerksamkeit, Annahmen, Erwartungen, Entscheidungen, Deklarationen, Verletzlichkeit, Präsenz, Grenzen, Vereinbarungen, dein energetisches Zentrum, deine Spielregeln, deine Lebensvision, deinen Ist-Kleber und dein Ist-Kleber-Lösungsmittel, um Geschichten zu erzeugen und zu ändern, deine hellen Prinzipien, deine Schattenprinzipien, deine Beziehung mit den vorsitzenden Gottheiten von Räumen und so weiter. Jede Qualität oder jeder Aspekt des Lebens ist ein Strömungsstrang. In diesem Moment hast du jeden Strömungsstrang bewusst oder unbewusst in einem spezifischen Kontext verankert. Du könntest nicht einmal wissen, welcher Kontext es ist. Es könnte ein Kontext sein, den du nicht bevorzugst. Es könnte eine Gewohnheit sein, ein Überbleibsel aus der Kindheit.

In der Kindheit hast du beschlossen, alles Notwendige zu tun, um zu leben. Du hast reflexartig jeden möglichen Handlungsstrang in irgendeinen Kontext gelegt, der dir erlauben würde, zu überleben, ungeachtet des persönlichen Aufwands, dem Verlust der Würde, dem Verlust des persönlichen Raumes, dem Verlust an Selbstrespekt. Du hast beschlossen zu leben. Du hast beschlossen, dass deine selbst übereignete Aufgabe oder Vision so wichtig ist, dass du alles tust, was nötig ist, um es durch die Kindheit zu schaffen.

Und du hast es geschafft. Du hast es durch die ca. fünfzehn Jahre geschafft, die es braucht, um deine energetische Matrix bis zu dem Punkt aufzubauen, wo du anfangen kannst, bewusste Verantwortung zu übernehmen, um das zu tun, wofür du hergekommen bist. Doch ohne authentische Initiationsprozesse ins Erwachsensein steckst du in deiner unverwüstlichen Verteidigungsstrategie fest, in deiner Box. Die Box könnte dich für den Rest deines Lebens einigermaßen beschützen. Aber das wäre wie ein Schmetterling, der den Rest seiner Tage in seiner Puppe verbringt und nie in das Nichts hinaustritt, wo der Gebrauch seiner Flügel zum Fliegen notwendig wird.

Wenn du dir einen Schmetterling vorstellst, der nach Jahren immer noch in seiner Puppe zusammengedrückt wird, und dabei versucht, er selbst zu sein und auch in Beziehung mit einem anderen zu sein, der in einem ähnlich zusammengepferchten Zustand versucht, er selbst zu sein, dann hast du ein ziemlich akkurates Bild von unserer erbärmlich hilflosen Verfassung, insbesondere wenn es darum geht, lebendige, gegenseitig transformierende Beziehungen zu führen.

Possibility Management ist aktivierte Ekstase für Erwachsene. Doch da die moderne Kultur keine initiierten Erwachsenen hervorbringt, wurde ich zum Zeichenbrett zurückbeordert, um Brücken aus der modernen Kultur zu archearchalen Kulturen zu bauen, sowohl für mich als auch für andere. Und deswegen entwickeln wir auch weiterhin Initiationsprozesse ins Erwachsensein, damit es wenigstens einige Erwachsene gibt, die Nutzen aus Possibility Management ziehen.

Jeder archearchale Initiationsprozess bewegt nachhaltig einen (oder mehrere) deiner Montagepunkte weg vom Kontext deiner Mutter und deines Vaters, weg von der Schule und Gesellschaft, weg von den Traditionen deiner Vorfahren, weg von jeder externen offiziellen Autorität, und verschweißt ihn direkt mit deinem eigenen energetischen Seins-Zentrum. Die Initiation verschweißt diese bestimmte Flusslinie für diesen bestimmten Aspekt des Lebens für den Rest deines Lebens direkt mit deinem radikal verantwortlichen Zentrum. Das ist der Unterschied. Die indigene Kultur pflanzt deine Montagepunkte in die Tradition des Stammes. Dann ist die Tradition verantwortlich. Die archearchale Kultur pflanzt deine Montagepunkte in dein eigenes Zentrum. Dann bist du verantwortlich.

Sind die Montagepunkte an dein Zentrum geheftet, stehst du an der Quelle. Du bist der Verursacher. Deine Entscheidungen müssen nicht mehr durch Gründe gepuffert werden. Du wählst, in welcher Kultur du lebst. Falls deine Aktionen zufällig mit den Gesetzen irgendeiner Regierung oder Institution übereinstimmen, ist es bloßer Zufall. Die Verantwortung liegt bei dir.

Von da an kannst du keinen anderen mehr für die Ergebnisse, die du erzeugst und erfährst, beschuldigen. Du gewinnst Zugang zum zentralen Hebelpunkt, zu radikaler Verantwortung. Mit deinem eigenen Willen und deiner eigenen Intention als Hebel kannst du deine Welt fortlaufend neu gestalten. Das ist der Beginn dessen, was Possibility Management ermöglicht.

 

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