Heilen durch Klarheit

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Heilen durch Klarheit
Februar 15, 2017 Clinton Callahan

Vier Gefühle, drei Welten, zwei Dramen und eine Wahrheit, aus dem Possibility Management

 

Theorien über die Ursache und Heilung von Krankheiten gibt es wie Sand am Meer. Ohne eine bestimmte Theorie zu kritisieren oder zu verteidigen, können wir unserer Heilkraft weitere Dimensionen verleihen, indem wir unserer Klarheit weitere Dimensionen verleihen. Klarheit verstärkt die Fähigkeit eines Heilers, seinen Klienten in ihrem alltäglichen Verhalten neue Optionen aufzuzeigen. Mehr Optionen zu haben bedeutet mehr Möglichkeit zu haben. Möglichkeit ist eine der kraftvollsten “Heilspritzen” der Welt. Mit diesem Artikel machen wir einen kurzen Ausflug in das Gebiet des Possibility Managements, um die in den Landkarten der vier Gefühle, der drei Welten, der zwei Dramen und der einen Wahrheit enthaltene Klarheit anwenden zu können.

KLARHEIT

Klarheit ist ein goldener Schlüssel im Heilungsprozess, jedoch wird Klarheit schwer verdient. Klarheit ist nicht einfach intellektuelles Verstehen, wie es uns in der Regel beigebracht wird. Wir haben keine Klarheit, wenn wir nur darüber nachdenken. Gedanken sind leicht vergessen. Klarheit landet im Körper und ordnet dessen energetische Struktur neu an. Das bedeutet, wir bekommen Klarheit nicht geschenkt. Klarheit kommt mit Erfahrungen, und Erfahrungen können hart sein.

Jedes Stück Klarheit verändert unsere Sicht der Welt, da Klarheit den Filter verändert, durch den wir die Welt betrachten. Wir erlangen Klarheit nur, indem wir die alte Sichtweise der Dinge aufgeben. Klarheit verändert, wer wir sind. Wenn wir nicht durch persönliche Erfahrung lernen, dass Klarheit uns verändert, dann können wir für einen Klienten auch keinen geschützten Raum schaffen, damit er selbst die Erfahrung macht, neue Klarheit zu erlangen.

Krankheit ist eine körperliche Lösung für ein energetisches Problem. Die Krankheit entsteht, weil der Klient es vorzieht, die Dinge in seiner gewohnten Weise zu sehen, selbst wenn diese Perspektive ihn krank macht. Die Krankheit wird, wenn sie überhaupt wahrgenommen wird, anfangs nicht als Problem wahrgenommen. Aus Überlebensgründen ist der menschliche Verstand sehr geschickt in der Selbst­täuschung.

Ein Klient sucht erst dann einen Heiler (oder Elternteil oder Chef) auf, wenn er anfängt, seine Krankheit als Problem wahrzunehmen. (Die Krankheit als Problem zu sehen ist auch die übliche Sicht der modernen Schulmedizin). Der Klient sucht den Heiler auf, wenn er statt der Krankheit eine andere Lösung für sein Problem haben will.

Aus Sicht des Heilers ist eine Krankheit eine Einladung an den Klienten, sich weiterzuentwickeln. Der Heiler ist für diesen Entwicklungsprozess der Geburtshelfer. Der Heiler macht zu Beginn klar, dass die Krankheit nur ein Symptom oder eine Manifestation des eigentlichen Problems ist. Die Krankheit liefert dem Klienten Hinweise, um einige Dinge über sich selbst herauszufinden. Wenn entdeckt wird, dass der Ursprung der Krankheit selbst erzeugt ist und der Klient Verantwortung für diese Situation übernimmt, erweitert sich das Bewusstsein und Heilung tritt ein.

Der Heiler weiß, dass die ursprüngliche Verpflichtung des Klienten der Krankheit gilt. Ein Klient ändert seine Verpflichtung nur, wenn ihm der Zweck seiner Verpflichtung gegenüber der Krankheit klar wird (eine solche Verpflichtung könnte darin bestehen, Rache zu üben, Recht zu haben, Missbrauch an sich selbst zu üben, Liebe und Aufmerk­samkeit zu bekommen, wahrgenommen zu werden etc.). Die Aufgabe des Heilers ist es dann, den Klienten so zu führen, dass dieser sich über den Zweck seiner Verpflichtung klar wird, und ihm eine Möglichkeit zu eröffnen, eine andere Verpflichtung einzugehen.

Die gute Nachricht in Bezug auf Klarheit ist, dass wir jedes Stückchen Klarheit, das wir für uns selbst schaffen können, auch für andere schaffen können. Die schlechte Nachricht in Bezug auf Klarheit ist, dass wir überall dort, wo wir selbst keine Klarheit haben, unseren Klienten auch nicht bei ihrer Heilung helfen können. Klienten können nur soweit gehen, wie der Heiler zu gehen vermag. Das ist das Opfer, das der Heiler bringt: Der Heiler muss vorausgehen.

 

VIER GEFÜHLE

Nehmen wir beispielsweise Gefühle. Im Jahre 1975 hat Valerie Lankford die Landkarte der Vier Gefühle entwickelt. Auf ihrer Karte weist Valerie darauf hin, dass alle menschlichen Emotionen in vier Kategorien unterteilt werden können: Wut, Traurigkeit, Freude und Angst. Beim Gebrauch dieser Landkarte haben wir plötzlich intellektuelle Klarheit über Gefühle. Es gibt vier Gefühle. Das ist ungeheure Klarheit (insbesondere für Männer!).

Die moderne Kultur lehrt uns, dass drei dieser Gefühle “negative” Gefühle sind, und wenn eines dieser drei Gefühle aktiviert wird, schließen wir daraus, dass etwas nicht stimmt. Uns wird beigebracht, dass “ein Indianer keinen Schmerz kennt”. Uns wird auch beigebracht, dass das eine “positive” Gefühl, Freude, gefährlich ist. “Der Vogel, der am Morgen singt, den holt am Abend die Katz.” Im Großen und Ganzen lehrt uns die moderne Kultur, dass es nicht in Ordnung ist, etwas zu fühlen.

Es ist bekannt, dass das Unterdrücken von Gefühlen Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben kann. Beispielsweise kann das Unterdrücken von Wut die Leber oder Gallenblase angreifen. Das Unterdrücken von Traurigkeit kann sich auf Lunge oder Dickdarm auswirken. Das Unterdrücken von Freude kann Herz oder Dünndarm beeinträchtigen. Das Unterdrücken von Angst kann Auswirkungen auf Nieren oder Blase haben.

Im Possibility Management erstellen wir eine neue Karte, auf der Wut, Traurigkeit, Freude und Angst so neutral sind wie die vier Himmelsrichtungen auf einem Kompass. Ist Norden schlecht? Ist Osten gut? Ist Westen negativ? Ist Süden positiv? Dumme Fragen. Das gleiche gilt für Wut, Traurigkeit, Freude und Angst. Auf der Landkarte des Possibility Managements kommen Gefühle in unserem Körper auf, um uns mit dem Raketentreibstoff und den Informationen auszustatten, die wir benötigen, um unsere Bestimmung zu erfüllen. Zugang zu unserer Information und unserer Energie finden wir, wenn wir unsere kulturelle Ausbildung hinter uns lassen und die Beziehung zu unseren Gefühlen ändern. An dieser Stelle geht es für den Heiler darum, die Grenzen der Standardausbildung zu überschreiten und sich neue Fähigkeiten durch weiterführende Trainings anzueignen.

Gefühle können bewusst oder unbewusst gefühlt werden. Um die Gefühle bewusst zu fühlen, erlernt eine Person “innere Navigation”. Wir entwickeln Fertigkeiten in innerer Navigation, wenn wir unsere intellektuelle Klarheit in Bezug auf Gefühle in empirische Klarheit in Bezug auf Gefühle verändern. Jedes der vier Gefühle drückt sich durch bestimmte voneinander getrennte Empfindungen und körperliche Manifestationen aus. Wenn wir empirische Klarheit erlangen, wird unser Körper zu unserer Landkarte. Wenn wir die Empfindungen in unserem Inneren kennengelernt haben, wissen wir in jedem Moment, was wir fühlen und wo wir uns auf der Karte der Gefühle befinden. Wenn wir wissen, was wir fühlen, können wir auch wissen, was eine andere Person fühlt. Zu wissen, was der Klient fühlt, ist ein wichtiger Faktor in der Beziehung des Heilers zu seinem Klienten.

Bewusst fühlen bedeutet, Gefühle auf verschiedenen Intensitätsstufen von null Prozent (gefühllos) bis hundert Prozent (archetypisch) zu erleben und auszudrücken. Das Feedback eines Trainers ermöglicht uns, unsere Skala so einzustellen, dass wir wissen, wie sich beispielsweise 50 Prozent archetypische Wut anfühlen. In einem Training können wir damit experimentieren, uns zu erlauben, jedes der vier Gefühle zu hundert Prozent freizusetzen. (“In einem Training” bedeutet, probieren Sie es nicht alleine zu Hause aus. Der Grund dafür, es nicht zuhause auszuprobieren, ist, dass sich unsere Gefühle, wenn wir sie zurückbekommen, in dem Reifegrad zeigen, in dem sie waren, als wir sie weggeschlossen hatten. Bei den meisten von uns war dies in sehr jungem und unreifem Alter. In einem Training kann uns ein Trainer sicher führen, so dass wir unsere Gefühle innerhalb kurzer Zeit auf den heutigen Reifestand bringen. Den Reifungsprozess alleine in Gang zu bringen, ist sehr heikel.)

Wir Menschen haben archetypische Strukturen, die in uns schlummern und darauf warten, zum Leben erweckt zu werden. Die Erfahrung, ein Gefühl in  hundertprozentiger Intensität auszudrücken, aktiviert eine archetypische Struktur. Jedes der vier Gefühle steht in Verbindung mit einem Archetyp: Wut mit dem Macher (Krieger oder Kriegerin), Traurigkeit mit dem Kommunikator (Liebenden), Freude mit dem verantwortlichen Führer (König oder Königin) und Angst mit dem Schöpfer (Magier oder Zauberin). Der Macher, der Kommunikator und der Schöpfer arbeiten im Dienst des verantwortlichen Führers.

Einen Archetypen zum Leben zu erwecken ist ein Prozess, der sich mit der Verwandlung eines Planeten in einen Stern vergleichen lässt. Dieser Prozess wird “Ersternen” genannt. Der Unterschied zwischen einem Planeten und einem Stern besteht darin, dass ein Planet mehr Energie aufnimmt als er abgibt. Ein Stern hingegen strahlt mehr Energie ab als er aufnimmt. Menschen sind dazu entworfen, als Sterne zu leben (gestaltend, hervorbringend). Die moderne Kultur trainiert uns darin, als Planeten zu leben (konsumierend, urteilend). Die nächste Kultur beginnt damit, ein fünfzehnjähriges Kind durch initiatorische Prozesse ins Erwachsensein zu bringen, wobei es seine vier Archetypen zu strahlender, freudiger konstruktiver Reife “ersternt”. Die moderne Kultur stellt uns keine Initiationsarbeit zur Verfügung. Um unsere Archetypen zu ersternen, müssen wir uns aus unserer Kultur heraus in ein bestimmtes Trainingsumfeld begeben, das speziell dafür vorgesehen ist. Um Sicherheit und Stabilität zu erreichen, benötigt der “Ersternungsprozess” seine Zeit, unserer Erfahrung nach etwa zwei Jahre.

Im Possibility Management haben wir Valerie Lankfords Karte der Gefühle einen Schritt weiter entwickelt. Wir haben herausgefunden, dass Gefühle am nützlichsten sind, wenn sie in ihrer reinen Form gefühlt werden. Das Vermischen von Gefühlen führt zu einer eigenen Form von Unwohlsein. Das Vermischen von Gefühlen ist nicht schlecht oder falsch. Das Vermischen von Gefühlen führt lediglich zu einer anderen Art von Erfahrung als das klare und voneinander unterschiedene Fühlen der Gefühle. Beispielsweise führt das Vermischen von Wut und Traurigkeit zu Depression. Das ist wie das Vermischen von Milch und Kuhmist. Milch hat ihre eigene Verwendung. Kuhmist hat seine eigene Verwendung. Werden beide vermischt, so erhält man nichts als Schleim. Das gleiche gilt für Gefühle. Die Vermischung von Wut und Traurigkeit verursacht automatisch eine Erfahrung, die wir mit “Depression” bezeich-nen. Um aus der Depression herauszukommen, können wir innere Navigations-fertigkeiten anwenden, um Wut und Traurigkeit voneinander zu trennen. Wir ziehen sie auseinander. Dann fühlen wir Wut über eine Sache, Traurigkeit über eine andere und es gibt keine Depression mehr.

Das Vermischen von Traurigkeit und Angst verursacht Isolation oder Verzweiflung. Das Vermischen von Traurigkeit und Freude führt zu Sentimentalität oder Nostalgie. Das Vermischen von Wut und Angst verursacht Hysterie. Das Vermischen von Angst und Freude führt zu leichtsinnigen Risiken wie Glücksspiel etc. Das Vermischen von Wut und Freude verursacht Schadenfreude. Das Vermischen von drei Gefühlen führt zu Eifersucht, Scham, Schuldgefühlen und Habgier. Das Vermischen aller vier Gefühle führt zum Burnout bzw. zum emotionalen oder psychischen Zusammenbruch.

Wie viele Menschen bekommen Gehirnchemikalien verschrieben oder werden tatsächlich in Einrichtungen eingesperrt, weil die moderne Kultur keinerlei Klarheit über die vier Gefühle und das Vermischen von Gefühlen besitzt? Mit sieben Jahren könnten wir anfangen, Klarheit über Gefühle zu erlangen. Unsere Schulen liefern uns diese Klarheit nicht. Um diese Klarheit in unsere Schulausbildung zu integrieren, wäre es erforderlich, dass die Lehrer trainiert werden, um diese Klarheit als erstes zu erlangen. Die Schüler können nur so weit gehen, wie die Lehrer gehen können.

 

DREI WELTEN

Ein Heiler zahlt einen Preis dafür, ein Heiler zu sein. Der Preis ist dieser: Ein Heiler besitzt Klarheit über Dinge, über die Menschen mit anderen Berufen keine Klarheit haben. Der Bäcker zahlt den Preis, dass er kein gewöhnliches Verhältnis mehr zum nächtlichen Schlaf hat, damit wir morgens warme Brötchen bekommen können. Der Chirurg zahlt den Preis, kein gewöhnliches Verhältnis mehr zum menschlichen Körper zu haben, damit er ihn zu unserem Wohl sicher aufschneiden und wieder zusammennähen kann. Der Heiler zahlt den Preis, kein gewöhnliches Verhältnis mehr zur Realität zu haben.

Der Heiler lernt, dass die Menschen jeden Tag drei Welten bereisen, hinein und hinaus: Die Oberwelt, die Mittelwelt und die Unterwelt. Während die meisten Menschen unbewusst hin und her wechseln, lernt der Heiler, alle Bereiche der drei Welten mit Klarheit und Absicht zu navigieren.

Die Mittelwelt ist die Welt von Zeit, Geld, Essen, Abspülen, staubsaugen, die Kinder zur Schule bringen, den Müll raustragen, zur Arbeit gehen, Rechnungen bezahlen, das Auto reparieren, Einkaufen, baden gehen, mit dem Hund Gassi gehen, Sport treiben, tägliche Erledigungen, entspannen, Sexualität und das übliche praktische Leben. Die Wahrnehmung der Mittelwelt ist busy, busy, busy!

Die Oberwelt ist eine Raumbeschaffenheit, die wir vielleicht erstmals in einer Kirche oder allein in der Natur wahrgenommen haben. Die Stimmung verändert sich. Unsere Aufmerksamkeit ist geschärft. Geräusche verändern sich. Die Lichtverhält-nisse werden heller und klarer. Unsere Ansicht darüber, was für uns oder die Menschheit möglich ist, verändert sich. Verantwortung und Sorgfalt gedeihen mit Leichtigkeit. Wir spüren, dass wir in der Oberwelt sind, weil wir die Anwesenheit verantwortlicher heller Prinzipien wahrnehmen wie Respekt, Offenheit, Akzeptanz, Klarheit, Möglichkeit, Integrität, Liebe, Freude, Fülle, Strahlen, Reinheit, Einklang, Lernen, Entdeckung, Teilen, Wachstum, Evolution, Teamwork, Zusammengehörigkeit und so weiter.

Die Unterwelt ist auch eine Raumbeschaffenheit, die wir mitten in Konflikten, Entmutigung und der unverantwortlichen Freude von “Ha-ha! Jetzt hab ich dich! Ich gewinne, du verlierst! Du Idiot!” bemerken. Die Unterwelt ist voller Leiden, Opferdasein, Trennung, Konkurrenzkampf und Verfolgung. Wir spüren, dass wir uns in der Unterwelt befinden, weil wir die Anwesenheit unverantwortlicher Schattenprinzipien wahrnehmen wie Rache, Habgier, Zerstörung, Hass, Missachtung, Manipulation, Überlegenheit, Heimlichtuerei, Verrat, Vorurteile, Terrorismus, Ungerechtigkeit, Vergewaltigung, Mord, Hungersnot, Verwüstung, Überlebenskampf, Mangel, Entbehrung etc.

Es mag Sie überraschen, auf dieser Landkarte der Drei Welten zu sehen, dass die Unterwelt zwischen der Mittelwelt und der Oberwelt liegt. Diese Positionierung ergibt anfangs vielleicht keinen Sinn, da die Position der Unterwelt auf dieser Karte nicht ihrem Namen entspricht. Die Unterwelt ist nicht darunter, sie ist dazwischen. Auch entspricht die Position der Unterwelt nicht den allegorischen Beschreibungen archetypischer Unterwelten aus der Literatur.

Die Anordnung der Unterwelt zwischen der Mittelwelt und der Oberwelt basiert auf langjähriger praktischer Erfahrung. Wir mögen einen Großteil unseres Tages in der allzu geschäftigen Mittelwelt verbringen. Wir mögen uns der Oberwelt in heiligen Räumen wie einer liebevollen Beziehung, einem Lied oder einem Gebet bewusst werden. Wir mögen einen kurzen Blick auf die Oberwelt in Form eines direkten Erlebnisses erhaschen und möchten gerne dorthin gelangen. Doch sobald wir tatsächlich versuchen, in die Oberwelt zu gelangen, finden wir uns in unserer eigenen unerforschten Unterwelt wieder. Wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie die Richtigkeit dieser Aussage durch Ihre eigenen Erfahrungen bestätigt finden. Den Weg in die Oberwelt finden wir, indem wir uns unserer Unterwelt bewusst werden und diese in Besitz nehmen. Ohne unsere Unterwelt in Besitz zu nehmen, können wir unsere Oberwelt niemals stabilisieren. Die Auffassung, wir könnten von der Mittelwelt direkt zur Oberwelt gelangen, ist die Definition des New Age.

 

Auch im Hinblick auf die drei Welten trifft es zu, dass unsere Klienten nur soweit gehen können, wie wir zu gehen vermögen. Wenn wir einen Teil unserer Unterwelt nicht in Besitz genommen haben, können unsere Klienten diesen Teil ihrer Unterwelt auch nicht in Besitz nehmen. Wenn wir nur ein Viertel unserer Unterwelt kennen und besitzen, dann besitzen uns drei Viertel unserer Unterwelt außerhalb unseres Bewusstseins und veranlassen uns zu Handlungen, die den Unterweltsabsichten dienen, wenn wir es am wenigsten erwarten. Wenn wir uns der Motivationen und Kreationen des Königs oder der Königin unserer Unterwelt (unseres Gremlins) nicht bewusst geworden sind, kann uns jeder Klient mit einem größeren Gremlin als dem unsrigen manipulieren, unsere Knöpfe drücken, uns an den Haken nehmen und unsere Bestrebungen für seine Heilung zunichte machen. Der Gremlin ist nicht böse. Der Gremlin tut, was der Gremlin tut. Unser Gremlin ist nicht dazu da, um eingesperrt zu werden. Unser Gremlin muss verstanden und integriert werden, sodass wir ihn dazu nutzen können, Möglichkeiten für bewusste Entwicklung zu schaffen.

Wenn wir uns in exklusiven Bereichen der Ober- und Mittelwelt niederlassen und unsere Klienten keinen Zugang zu diesen Bereichen haben, werden sie sich in unserer Gesellschaft nicht sicher fühlen. Die meisten Klienten können nicht dahin kommen, wo wir sind. Das bedeutet, wir müssen lernen, unsere Form zu verändern und dahin zu gehen, wo sie sind. Und auch diese Fähigkeiten liegen jenseits des Rahmens einer üblichen Heilerausbildung, die uns die moderne Kultur anbietet. Nur weil die Fähigkeiten nicht von der modernen Kultur angeboten werden, heißt es nicht, dass wir diese Fähigkeiten als Heiler nicht brauchen. Es bedeutet vielmehr, dass wir uns wieder aus der Kultur heraus begeben müssen, um diese Fähigkeiten zu trainieren.

Heilung tritt ein, wenn unser Klient erkennen, akzeptieren und da sein kann, wo er ist. Wenn er sein kann, wo er ist, egal wo das ist, besitzt er die Kraft, sich woanders hin zu bewegen. Wenn unser Klient da sein kann, wo er ist, erlangt er automatisch seine Authentizität zurück.

Lassen Sie uns bei der Betrachtung der drei Welten einen anderen Aspekt des Heilens beleuchten. Es könnte sein, dass ein Heiler denkt, es sei seine Aufgabe, die Mittelwelt zur Oberwelt zu machen. Das würde dann als Transformation angesehen werden. Viele Heiler sind von der Annahme ausgegangen, dass die Verwandlung der Mittelwelt zur Oberwelt ihr Hauptziel ist. Ich lade Sie dazu ein, diese Annahme von einer anderen Perspektive aus zu betrachten.

In der Oberwelt ist Perfektion möglich. Unverfälschte Brillanz, vollständige, permanente Erleuchtung, absolutes Einssein, diese ganze Perfektion und noch mehr ist in der Oberwelt möglich. In der Mittelwelt ist diese Perfektion nicht möglich. In der Mittelwelt ist nichts perfekt. Wir können uns problemlos eine gerade Linie oder eine Kugel vorstellen, jedoch existiert keine gerade Linie oder Kugel in der Mittelwelt. Alles in der Mittelwelt fließt, verändert sich, entwickelt sich oder zerfällt und stirbt. In der Mittelwelt ist nichts stabil oder permanent. Alles verändert sich ständig. Perfektion ist unmöglich.

Was also sollte ein Heiler tun?

Ein Heiler kann dazu dienen, einen Raum in der Mittelwelt zu schaffen und zu halten, durch den die Prinzipien der Oberwelt ihre Arbeit tun können. Der Raum, den Sie als Heiler erschaffen und halten, kann ein physischer Raum sein wie Ihr Büro, ein Seminarhaus, ein Dojo oder ein Yoga-Übungsraum. Der Raum, den Sie halten, kann aber auch der Raum einer Unterhaltung in einem Café oder sogar der Raum eines Telefongesprächs sein. Dieser Raum steht dann im Namen bestimmter Prinzipien der Oberwelt, die durch ihn ihre Arbeit in der Mittelwelt tun können. Sie halten dann zwei Dinge zur selben Zeit am selben Ort: Die Umstände der Mittelwelt und die Prinzipien der Oberwelt. Sie erschaffen eine Schnittstelle der Welten. An dieser Schnittstelle der Welten verrichtet die Oberwelt ihre Arbeit in der Mittelwelt durch Ihre Augen, Ihre Hände, Ihr Herz und Ihren Mund. (Das ist nicht Channeling!!!). Die Arbeit, die Sie an diesem Schnittpunkt der Welten leisten, ist nie perfekt. Sie kann nie perfekt sein. Sie muss nicht perfekt sein. Die Arbeit, die Sie an dieser Schnittstelle der Welten leisten, ist so gut wie es eben geht. Was Sie wissen müssen ist, dass diese Arbeit gut genug ist.

 
ZWEI DRAMEN

Dr. Stephen Karpman erfand das Drama-Dreieck-Modell in Bezug auf menschliche Interaktionen im Jahre 1965. Das Drama Dreieck zeigt, dass die meisten unserer alltäglichen Interaktionen ganz einfach unbewusste Rollenspiele in einem der drei Charaktere des Drama Dreiecks sind.

Im Possibility Management haben wir Stephen Karpmans Karte des Drama Dreiecks einen Schritt weiter entwickelt. Wir haben herausgefunden, dass jede Handlung, die darauf ausgerichtet ist, Verantwortung zu vermeiden, eine bestimmte Art von Drama ist, die als niederes Drama bezeichnet wird. Sobald wir lernen, unverantwortliches niederes Drama zu erkennen und zu vermeiden, bevor wir innerlich oder äußerlich davon in Beschlag genommen sind, haben wir die Möglichkeit, bewusstes verantwortliches Theater zu erzeugen, das als hohes Drama bezeichnet wird. Beachten Sie, dass weder hohes Drama noch niederes Drama richtig oder falsch, gut oder schlecht sind. Sie führen nur zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Heilen ist hohes Drama. Wenn ein Heiler lernt, seine Aufmerksamkeit zu teilen, verwendet er einen Teil seiner Aufmerksamkeit, um einen Fuß fest in der Mittelwelt des normalen gesunden Menschenverstandes verankert zu halten. Einen anderen Teil seiner Aufmerksamkeit benutzt er, um seinen anderen Fuß in die Welt seines Klienten zu setzen. Indem er Kontakt und Unterstützung bietet, begleitet er seinen Klienten auf seiner Reise dorthin, wohin er gehen muss, um gesund zu werden. Er geht mit ihm in die Welt, in der er lebt, egal wie diese aussieht, selbst wenn diese Welt nicht der allgemeinen Definition der üblichen Vernunft entspricht. Die Erfahrung, vollständig krank (verrückt) zu werden und gleichzeitig mit der Gesundheit (dem gesunden Menschenverstand) verbunden zu sein, ermöglicht seinen Klienten, Krankheit in den größeren Kontext der Gesundheit zu integrieren. Die Begleitung des Klienten durch den Heiler ist ein Akt bewussten Theaters und daher ein Beispiel von hohem Drama.

Im Possibility Management wird das niedere Drama und das hohe Drama auf einer Landkarte aufgezeigt: Der Landkarte der Möglichkeit. Es ist eine große Karte, d.h. sie deckt ein großes Gebiet ab. Wir haben in diesem Artikel bereits ein weites Feld abgedeckt, daher zeige ich Ihnen die Landkarte der Möglichkeit, aber Sie müssen ihre Bedeutung selbst herausfinden. Eine kleine Warnung ist angebracht: Wenn es Ihnen gelingt, die Landkarte der Möglichkeit zu entschlüsseln, sollten Sie nicht überrascht sein, wenn sich einige Dinge für Sie ändern. Die Landkarte der Möglichkeit ist gespickt mit memetischen Viren, die alle Ideen in Ihrem Gehirn, die weniger klar sind als diese Viren, gierig herausfordern und austauschen. Viel Spaß!

Die Landkarte der Möglichkeit ist eine Landkarte von uns. Jeder von uns hat einen wahren Führer in sich, den König oder die Königin der Oberwelt, und jeder von uns hat einen Gremlin Führer, den König oder die Königin der Unterwelt. Hohes Drama nährt die Oberwelt in der gleichen Weise, in der niederes Drama die Unterwelt nährt. In jedem Moment erzeugen wir entweder hohes Drama oder niederes Drama. Man kann nicht vom niederen Drama zum hohen Drama gelangen. Es ist entweder das eine oder das andere. Die Landkarte der Möglichkeit gibt uns die Klarheit, zu wählen, welche Art von Drama wir in diesem Moment erzeugen wollen.

 

EINE WAHRHEIT

Die Landkarte der Möglichkeit beginnt mit einer einzelnen senkrechten Linie, die besagt, dass alles was geschieht, absolut neutral ist. Diese Deklaration ist das einzig Wahre auf der Landkarte der Möglichkeit. Aber wir sind Menschen, und Menschen lassen die Dinge nicht neutral. Wir sind vielmehr in jedem Moment schöpferisch tätig. Wir sind schöpferisch tätig, indem wir Geschichten darüber erfinden, was geschieht. Wir interpretieren und geben dem Geschehenen eine Bedeutung. Diese Welt ist reich an Beweisen, um jede Geschichte, die wir uns ausdenken, zu belegen. Jede Geschichte verfolgt eine Absicht. (Wir erfinden keine Geschichte ohne eine Absicht). Entweder sind wir uns unserer Absicht bewusst oder wir sind es nicht. Die Zweiteilung des Bewusstseins kreiert zwei allgemeine Spielarten: verantwortliche Spiele oder unverantwortliche Spiele. Welches Spiel wir spielen, lässt sich immer an den Ergebnissen erkennen, die wir erzielen. (Wenn wir uns beispielsweise für 9.00 Uhr verabreden und erst 9.03 Uhr erscheinen, ist klar, welches Spiel wir spielen). Die Ergebnisse lügen nicht.

Das Spiel genannt “Heiler” ist hohes Drama, bewusstes Theater, gespielt auf dem Spielfeld kompromissloser Verantwortung. Kompromisslose Verantwortung funktioniert so: Alles, was passiert, ist absolut neutral. Was ist, ist, und zwar so, wie es ist, ohne Bedeutung. Nur das. Wir sind nie “in” einer Situation. So etwas wie ein Problem gibt es nicht. Es ist unmöglich, Opfer zu sein. Umstände haben keine Macht über uns. Unverantwortlichkeit ist eine Illusion. Wir treffen jede Wahl ohne Grund. Wir sind Geschichtenerfinder. Verantwortliche Geschichten geben uns mehr Kraft. Keine Geschichte ist wahr.

 

SCHLUSSFOLGERUNG

Die meisten westlichen therapeutischen Anwendungsformen sind in die griechisch-römische lineare analytische Logik und die Freud’schen psychotherapeutischen Thesen eingebettet. Die meisten östlichen therapeutischen Anwendungsformen sind in die Thesen der hinduistischen, buddhistischen oder taoistischen Weltsichten eingebettet. Ohne uns dessen bewusst zu sein, beschränken wir unsere Heilungseffizienz unnötig auf diese Rahmen. Wir müssen das nicht tun. Wir können uns bei der Arbeit mit Klienten einer anderen Anwendungsform bedienen, die wir die Domäne der Klarheit nennen. Klarheit besitzt die Macht, selbst unter den abwegigsten Voraussetzungen direkte Möglichkeiten zu schaffen.

Wenn wir unser Leben einem der Heilberufe widmen, stehen wir einigen interessanten Herausforderungen gegenüber. Eine unserer ersten Heraus­forderungen ist die Wahl, welche Anwendung der Heilform wir unseren Klienten anbieten. Das Auswahlverfahren erscheint zunächst einfach. Wir schauen uns die populären Anwendungsformen an, wählen eine oder zwei, die uns interessieren, lassen uns ausbilden, bringen ein Schild an, und fangen an, mit Menschen zu arbeiten. Die wahre Ernsthaftigkeit unserer Wahl wird uns erst nach ein paar Jahren praktischer Erfahrung bewusst, wenn wir beginnen zu begreifen, dass unsere Klienten nur soweit gehen können, wie wir selbst zu gehen vermögen.

Zwei Faktoren schränken unsere Effizienz als Heiler ein. Der weniger bedeutende Faktor sind die Grenzen unserer bestimmten Anwendung einer Heilform. Der einflussreichere Faktor sind die Grenzen unserer eigenen persönlichen Klarheit.

Ein Heiler ist auch nur ein Mensch. Menschen verbringen ihre Tage und Nächte damit, die vier Gefühle zu fühlen, innerhalb der drei Welten hin- und herzureisen, die beiden Dramen zu erschaffen und die eine Wahrheit zu meiden. Klarheit beginnt zuhause in unserem eigenen Verstand, Herzen, Körper und unserer Seele. Wenn wir experimentieren und uns sorgfältig beobachten und für das, was wir entdecken, die Verantwortung übernehmen, entwickeln wir authentische Klarheit als Erfahrung und nicht nur als Theorie. Nur mit authentischer Klarheit können wir hoffen, bei den Klienten, die Hilfe bei uns suchen, einen Beitrag zu leisten.

 

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